Praxishilfen

Absturzsicherungen

1 Allgemeines
2 Dachschutzwände/Dachfanggerüste
3 Auffangnetze
4 Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz
5 Weitere Informationen


1 Allgemeines

Dacharbeiten

Bild: Franz Pfluegl - Fotolia.com

Insbesondere auf Baustellen und bei Montagearbeiten auf Dächern besteht Absturzgefahr. Es gibt Arbeitsplätze auf Gerüsten, auf Betondecken oder auf Dächern bzw. Dachflächen. Aber auch bei Reinigungsarbeiten können Beschäftigte an Arbeitsplätzen eingesetzt werden, an denen Absturzgefahr besteht.

Als Absturzkanten bezeichnet man Kanten, über die Personen bei Bauarbeiten mehr als 1,00 m tief abstürzen können.

Sie können z. B. vorhanden sein an

  • baulichen Anlagen,
  • Baustelleneinrichtungen,
  • Gerüsten,
  • Geräten,
  • Hilfskonstruktionen.

Bei Arbeiten an Absturzkanten kann es zu schweren oder tödlichen Unfällen kommen. Um diese zu vermeiden, sind entsprechende Schutzvorrichtungen zu verwenden. Zum Schutz gegen Abstürze gibt es verschiedene Absturzsicherungen:

  • Dreiteiliger Seitenschutz
  • Abdeckungen über Öffnungen, Glasflächen und Lichtkuppeln
  • Absperrungen auf Flachdächern und vor Öffnungen oder Vertiefungen
  • Leiterbühnen (für kurzzeitige Arbeiten) oder Hebebühnen, fahrbare Arbeitsbühnen
  • Gitter in Lichtkuppeln
  • Fanggerüste
  • Dachschutzwände/Dachfanggerüste
  • Auffangnetze
  • Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz

Dreiteiliger Seitenschutz

Dreiteiliger Seitenschutz

Wichtig ist: Technische Absturzsicherungen haben aufgrund der wesentlich höheren Wirksamkeit Vorrang vor der Verwendung von persönlicher Schutzausrüstung.

Absturzsicherungen sind an

  • frei liegenden Treppenläufen und Treppenabsätzen, Wandöffnungen sowie an Bedienungsständen für Maschinen und deren Zugängen ab einer Absturzhöhe von 1,00 m (bei Arbeiten über Wasser ab 0 m),
  • Arbeitsplätzen und Verkehrswegen auf Dächern bei mehr als 3,00 m Absturzhöhe,
  • allen übrigen Arbeitsplätzen und Verkehrswegen bei mehr als 2,00 m Absturzhöhe notwendig.


2 Dachschutzwände/Dachfanggerüste

Absturzsicherungen werden bei hochgelegenen Arbeitsplätzen auf Dächern mit einer Neigung von 20° bis 60° angewandt. Insbesondere bei Arbeiten im Bereich der sogenannten "Traufe" oder auf der Dachfläche.

Beim Einsatz von Dachschutzwänden ist folgendes zu beachten:

  • Sie dürfen nur bis zu einer Dachneigung von 60° eingesetzt werden.
  • Bei Dachneigungen von 45° bis 60° darf der Höhenunterschied zwischen den Arbeitsplätzen auf dem Dach und den Einrichtungen zum Auffangen von Personen nicht mehr als 5,00 m betragen.
  • Werden Dachfanggerüste oder Dachschutzwände als Absicherung bzw. Auffangeinrichtungen verwendet, müssen diese den zu sichernden Arbeitsbereich seitlich um jeweils 1,00 m nach links und rechts überragen.
  • Dachschutzwände müssen eine Bauhöhe von mindestens 1,00 m haben.
  • Dachschutzwände müssen aus einem Rahmen bestehen, der mit Netzen oder Geflechten bespannt ist. Die Maschenweite darf dabei höchstens 10 cm betragen.
  • Die Dachschutzwände dürfen nur an ausreichend stabilen und tragfähigen Teilen angebracht werden. Diese müssen in der Lage sein die auftretenden Kräfte (z. B. durch einen Sturz) aufzunehmen und weiterzuleiten.

Beim Einsatz von Dachfanggerüsten ist zusätzlich zu beachten:

  • Die maximale Absturzhöhe zwischen Absturzkante (Traufe) und dem Gerüstbelag darf die Höhe von 1,50 m nicht überschreiten. Die Breite des Gerüstbelages muss dabei mindestens 0,60 m betragen.
  • Die Schutzwand des Dachfanggerüstes muss so hoch sein, dass eine abrutschende Person auf der schiefen Fläche des Daches, nicht über die Wand hinausfällt.

Dachfanggerüst

Dachfanggerüst


3 Auffangnetze

Dachfangnetze

Dachfangnetze

Auffangnetze werden zur Absturzsicherung bei Errichtung von turmartigen Bauwerken oder bei der Dacheindeckung von Hallen verwendet (Verlegen großformatiger Elemente). Auffangnetze haben gegenüber Fanggerüsten den Vorteil, dass eine abstürzende Person in dem Netz weicher aufgefangen wird, als durch den harten Belag eines Fanggerüstes.

Beim Einsatz von Auffangnetzen ist folgendes zu beachten:

  • Nur geprüfte, gekennzeichnete und unbeschädigte Auffangnetze sind zu verwenden.
  • Auffangnetze dürfen nur eingesetzt werden, wenn die Prüfung der Halterung nicht länger als 1 Jahr zurückliegt.
  • Auffangnetze dürfen nur an tragfähigen Bauteilen befestigt werden. Jeder Aufhängepunkt muss mindestens eine Last von 6 kN aufnehmen können.
  • Für Auffangnetze muss eine Gebrauchsanleitung auf der Baustelle vorhanden sein.
  • Beim Aufhängen der Netze ist darauf zu achten, dass die Absturzhöhe im Randbereich des Netzes, von der Absturzkante zum Netz höchstens 3,00 m betragen darf. In den übrigen Bereichen des Netzes z. B. Netzmitte, darf die Absturzhöhe von maximal 6,00 m nicht überschritten werden.
  • Die Maschenweite darf maximal 10 cm betragen. Werden Schutznetze zum Schutz gegen herabfallende Gegenstände eingesetzt, darf die Maschenweite maximal 2 cm betragen.

4 Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz

Die Persönliche Schutzausrüstung (PSA) gegen Absturz muss dann benutzt werden, wenn

  • Absturzsicherungen, wie z. B. Seitenschutz, aus arbeitstechnischen Gründen nicht möglich sind oder
  • Auffangeinrichtungen (wie Fanggerüste, Dachfanggerüste, Auffangnetze) unzweckmäßig sind.

Dies könnte der Fall sein, wenn

  • das Anbringen und Entfernen eines Fanggerüstes länger dauert und aufwendiger ist als die Benutzung eines Sicherheitsgeschirrs oder
  • Arbeitsschritte erforderlich sind, die den Einsatz dieser Absturzsicherungen unmöglich machen.

Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz

Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz

In der Praxis wird persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz vor allem bei Wartung einer Blitzschutzanlage, dem Errichten einer Antennenanlage auf dem Dach eines Wohngebäudes oder beim Einsteigen und Arbeiten in Schächten oder Kanälen in der Kanalreinigung eingesetzt.

Eine PSA gegen Absturz kann erforderlich werden:

  • bei Arbeiten in der Nähe von Flachdachkanten,
  • in der Nähe von Giebelkanten,
  • an Gittermasten,
  • bei Arbeiten geringen Umfangs an Absturzkanten,
  • in Verbindung mit Steigschutzeinrichtungen,
  • bei Montagearbeiten,
  • beim Einsteigen in abwasserführende, umschlossene Anlagen.

Bei der Verwendung und dem Einsatz von PSA gegen Absturz ist folgendes zu beachten:

  • Es dürfen nur CE-gekennzeichnete und EG-baumustergeprüfte Persönliche Schutzausrüstungen gegen Absturz bestehend aus Halte- oder Auffanggurte, Verbindungsmittel (Seile/Bänder), Falldämpfer und mitlaufendem Auffanggerät benutzt werden.
  • Beschäftigte müssen über den sachgerechten oder bestimmungsgemäßen Umgang und Gebrauch unterwiesen werden.
  • Die PSA gegen Absturz vor jeder Benutzung durch Sichtprüfung überprüfen.
  • Eine Prüfung durch eine sachkundige Person mindestens einmal im Jahr und nach einer Beanspruchung durch einen Absturz durchführen.
  • Die PSA gegen Absturz möglichst oberhalb des Benutzers/der Benutzerin anschlagen, befestigen.
  • Nur an tragfähigen Bauteilen oder speziellen Anschlageinrichtungen befestigen. Dabei muss es eine Stoßkraft (Auffangkraft) von 7,5 kN aufnehmen können.
  • Sind gesonderte Anschlagpunkte (sogenannte Sekuranten) im Arbeitsbereich vorhanden, müssen diese primär verwendet werden.
  • Sind keine geeigneten Anschlagpunkte vorhanden, ist eine Möglichkeit bei Montagearbeiten oder Wartungsaufgaben an Steildächern durch das ausführende Unternehmen (Kunde/Kundin) gesonderte Sicherheitsdachhaken zur Befestigung auf den Holzlatten (Dachsparren) anzubringen. Beim Befestigen wird dazu eine Dachplatte oder ein Ziegel kurzzeitig abgenommen. Diese Methode ist z. B. bei der Montage von Solarmodulen oder Arbeiten an Antennenanlagen sehr geeignet.
  • Der/die Vorgesetzte hat die Anschlageinrichtungen festzulegen und dafür zu sorgen, dass die Sicherheitsgeschirre benutzt werden.

Völlig ungeeignet als Anschlagpunkte sind z. B. Kamine, Regenrinnen und deren Halterungen, Blitzableiter, etc. Kranhaken sind ebenfalls nicht zugelassen.
Ein daran angeseiltes Sicherheitsgeschirr täuscht eine Sicherheit vor die es nicht hat und ist lebensgefährlich.

  • Nur Karabinerhaken benutzen, die eine Sicherung gegen unbeabsichtigtes Öffnen haben (z. B. Schraubverschluss).

    Karabinerhaken

    Karabinerhaken

  • PSA gegen Absturz vor schädigenden Einflüssen, wie z. B. Öl, Säure, Laugen, Putzmittel, Funkenflug, Erwärmung über 60° C, Sonneneinstrahlung, schützen und trocken lagern.
  • Beschädigte oder durch einen Absturz beanspruchte PSA gegen Absturz nicht weiter verwenden. Sie sind der Benutzung zu entziehen, bis eine sachkundige Person einer weiteren Benutzung zugestimmt hat.
  • Das Verbindungsmittel (Seil/Band) bei der Benutzung immer straff halten. Eine Schlaffseilbildung wird durch den Einsatz von Seilkürzern vermieden. Ein Höhensicherungsgerät hält das Verbindungsmittel automatisch straff.
  • Die Verbindungsmittel (Seile/Bänder) nicht über scharfe Kanten ziehen, nicht verknoten und behelfsmäßig verlängern.
Keine Alleinarbeit! Wegen der hohen Unfallgefahr und weil bei einem Absturzunfall ein schneller Notruf und Rettung aus der Situation lebenswichtig ist, ist Alleinarbeit bei Arbeiten bei mit Absturzgefahr unter Verwendung von persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz nicht zulässig.

Vor Beginn der Arbeit unter Einsatz Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz müssen Rettungsmaßnahmen für den Ernstfall geplant werden. Dazu gehört:

  • Rettungsgeräte und -einrichtungen (z. B. Abseilgeräte) bereitstellen und geeignete Verfahren zur Rettung festlegen.
  • Alle Betroffenen in der Benutzung unterweisen.
  • Beachten, dass durch längeres Hängen im Auffanggurt weitere Gefahren entstehen können (z. B. Hängetraum, Kreislaufversagen, Tod)


5 Weitere Informationen

Arbeiten auf Dächern




















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