Praxishilfen

Atemschutz

1 Allgemeine Grundsätze
2 Prüfung vor dem Einsatz
3 Arten und Einsatzbereiche
4 Grundsätzliche Voraussetzungen für das Benutzen von Atemschutzgeräten
5 Regeln für das Benutzen von Filtergeräten
6 Anwendungsbeispiele (Tabelle 1) und Filterleistung (Tabelle 2)


1 Allgemeine Grundsätze

Werden Beschäftigte in Bereichen oder bei Arbeiten eingesetzt, bei denen sie Atemschutz benutzen sollen, ist es notwendig, dass die Arbeitsbedingungen genau beurteilt werden. Wenn Zweifel über Gefährdungen und Stoffe, denen Beschäftigte ausgesetzt sind, oder bei der Auswahl der Geräte, der arbeitsmedizinischen Vorsorge oder Ähnliches bestehen, ist es dringend anzuraten, die Fachkraft für Arbeitssicherheit beziehungsweise den Betriebsarzt oder die Betriebsärztin hinzuzuziehen. Eine arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung gemäß Berufsgenossenschaftlichem Grundsatz G 26 ist beim Benutzen von Atemschutz nahezu immer erforderlich. G-26-freier Atemschutz sind zum Beispiel Fluchtfiltergeräte und gebläseunterstützte Filtergeräte mit Haube.

Atemschutz zählt zur Persönlichen Schutzausrüstung, die vor tödlichen Gefahren oder ernsten und irreversiblen Gesundheitsschäden schützt. Der Einsatz von Atemschutz erfordert deshalb unter anderem eine genaue Prüfung der Bedingungen vor Aufnahme der Tätigkeit.


2 Prüfung vor dem Einsatz

Vor dem Einsatz von Atemschutzgeräten muss immer geprüft werden, ob sich diese Maßnahme nicht vermeiden lässt, indem andere technische oder organisatorische Schutzmaßnahmen durchgeführt werden. Der Einsatz von Persönlicher Schutzausrüstung ist die letzte Maßnahme zum Schutz der Beschäftigten. Vorher muss insbesondere in folgender Reihenfolge geprüft werden:

  1. Kann der verwendete Gefahrstoff vermieden oder ersetzt werden? Gibt es ungefährlichere Alternativen? (Vermeidung)
  2. Kann verhindert werden, dass der Gefahrstoff frei wird? Ist es möglich die Gefährdung an ihrer Entstehungsstelle einzudämmen? Muss der Beschäftigte wirklich im Gefahrbereich arbeiten oder kann die Arbeit auch von einem ungefährlichen Standort aus durchgeführt werden? (Kapselung)
  3. Kann der Gefahrstoff an der Entstehungsstelle erfasst werden, so dass er sich nicht weiter ausbreitet? (Absaugung)
  4. Erst wenn die ersten drei Maßnahmen nicht durchführbar sind oder nicht ausreichen, muss Persönliche Schutzausrüstung, wie zum Beispiel Atemschutz, zum Schutz der Beschäftigten eingesetzt werden.

3 Arten und Einsatzbereiche

Atemschutzgeräte lassen sich je nach Bauart in zwei große Gruppen einteilen:

  1. umluftabhängige Filtergeräte,
  2. umluftunabhängige Isoliergeräte.

Für den Einsatz von umluftabhängigen Geräten wird vorausgesetzt, dass noch ausreichend Sauerstoff zum Atmen in der Umgebungsluft vorhanden ist und sich die Werte der Gefahrstoffe innerhalb bestimmter Grenzen bewegen. Diese Grenzen sind vor allem von dem auftretenden Gefahrstoff und dem eingesetzten Atemschutzgerät, Filter beziehungsweise Maske abhängig.

Umluftunabhängige Geräte kommen immer dann zum Einsatz, wenn Filtergeräte nicht ausreichend sind oder die Verwendung ein zu hohes Risiko darstellt (zum Beispiel Feuerwehr).

Atemschutzgeräte bestehen aus einem so genannten Atemanschluss – einer Maske, einem Mundstück oder Helm – und einem Filter- oder Atemgerät. Von diesem Prinzip weichen nur die partikelfiltrierenden Halbmasken ab, die ein vollständiges Atemschutzgerät darstellen.

In Abhängigkeit von der Dichtheit und der Schadstoffkonzentration, innerhalb welcher die Geräte eingesetzt werden können, sind diese in verschiedene Klassen eingeteilt. Diese werden mit den Zahlen 1 bis 3 gekennzeichnet. Je höher die Zahl, umso höher kann die Schadstoffkonzentration in der Umgebungsluft sein. Die genauen Werte zur Auswahl sind in Tabelle 1 und Tabelle 2 genannt.

Die Benutzungszeit ist nur bei leichten Schlauchgeräten und bei gebläseunterstützten Geräten – jeweils nur mit Helm oder Haube – unbegrenzt. In allen anderen Fällen ist die Benutzungszeit begrenzt. Eine ausreichend lange Zeit zur Erholung des Beschäftigten muss gewährleistet werden.

Anwendungsbeispiele:

Atemanschluss

Bezeichnung Einsatzmöglichkeit Beispiel
Mundstück Flucht und Rettung von Beschäftigten mit Fluchtgeräten  






Halbmaske Für kurzzeitige Arbeiten, z. B. Lackieren, bei erhöhter Staubbelastung (Schleifen, Schneiden, Bohren), auf Baustellen und in Müllsortierungen Halbmaske
Vollmaske Für kurzzeitige Arbeiten, z. B. beim Umgang mit Gefahrstoffen und Chemikalien Vollmaske
Helm Für längerfristige Arbeiten, Lackieren, Schweißen, bei erhöhter Staubbelastung auf Baustellen und in Müllsortierungen Helm

Umluftabhängige Geräte

Bezeichnung Einsatzmöglichkeit Beispiel
partikelfiltrierende Halbmasken Für kurzzeitige Arbeiten mit bekannter Schadstoffzusammensetzung und
-konzentration, z. B. auf Baustellen und in Müllsortierungen
partikelfiltrierende Halbmaske
Filtergeräte Für kurzzeitige Arbeiten mit bekannter Schadstoffkonzentration und Zusammensetzung (ermöglichen Arbeiten bei höheren Konzentrationen als partikelfiltrierenden Halbmasken), z. B. auf Baustellen und in Müllsortierungen, beim Abbeizen oder Spritzlackieren Filtergerät
gebläseunterstützte Filtergeräte Für längerfristige Arbeiten, z. B. Strahl- und Lackierarbeiten, auf Baustellen und in Müllsortierungen, bei Sanierungsarbeiten  

Umluftunabhängige Geräte

Bezeichnung Einsatzmöglichkeit Beispiel
Pressluftatmer Für kurzzeitige Arbeiten mit hoher und/oder unbekannter Schadstoffkonzentration Pressluftatmer
Regenerationsgerät Arbeiten mit langen An- und Abmarschwegen, mit hoher und/oder unbekannter Schadstoffkonzentration, in der Regel bei Rettungs- und Noteinsätzen Regenerationsgerät
Schlauchgeräte Für längerfristige Arbeiten, z. B. Strahl- und Lackierarbeiten, Schweißen in geschlossenen Räumen Schlauchgerät

4 Grundsätzliche Voraussetzungen für das Benutzen von Atemschutzgeräten

Wegen der zusätzlichen körperlichen und psychischen Belastung der Beschäftigten durch das Benutzen von Atemschutzgeräten und der Gefährdung durch Gefahrstoffe oder bei extremem Klima sind vor dem Einsatz von Atemschutzgeräten besondere Maßnahmen zu treffen:

  • Mit dem Kundenunternehmen und gegebenenfalls mit den Fachkräften für Arbeitssicherheit muss anhand einer Gefährdungsbeurteilung die passende Schutzausrüstung ausgewählt werden. Das Atemschutzgerät muss auf den jeweiligen Schadstoff und die Arbeiten abgestimmt werden.
  • Eine arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung nach Berufsgenossenschaftlichem Grundsatz G 26 "Atemschutzgeräte" kann vor dem Einsatz notwendig werden. Von einer Vorsorgeuntersuchung kann nur abgesehen werden, wenn das Atemschutzgerät weniger als 3 kg wiegt und es keinen Atemwiderstand besitzt. Dies ist in der Regel nur bei dauerhaft zwangsbelüfteten Geräten (zum Beispiel gebläseunterstützten Geräten) oder Fluchtgeräten der Fall. Je schwerer ein Gerät und je größer der Atemwiderstand ist, umso umfangreicher fällt die Untersuchung aus.
  • Es muss überprüft werden, ob weitere Vorsorgeuntersuchungen notwendig werden, da der Einsatz von Atemschutz in der Regel aufgrund des Überschreitens von Luftgrenzwerten von Schadstoffen (AGW-Werte) notwendig wird. Dafür sind stoff- oder stoffgruppenbezogene Vorsorgeuntersuchungen erforderlich. Diese sind in der Gefahrstoffverordnung und in der Biostoffverordnung aufgeführt. In jedem Fall muss der Betriebsarzt oder die Betriebsärztin zu Rate gezogen werden.
  • Der Beschäftigte darf keinen Vollbart oder starke Koteletten tragen. Dies führt zu Passungsundichtigkeiten zwischen der Atemschutzmaske und dem Gesicht, so dass Schadstoffe nach innen dringen und eingeatmet werden können.
  • Der oder die Beschäftigte muss im Benutzen des Atemschutzgerätes theoretisch und praktisch ausgebildet sein und anhand einer Betriebsanweisung mindestens einmal jährlich über Benutzung, Gefahren und Schutzmaßnahmen unterwiesen werden.
  • Das Unternehmen muss sicherstellen, dass die Atemschutzgeräte stets einwandfrei funktionieren und regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden. Je nach Atemschutzgerät sind regelmäßige Prüfungen der Geräte notwendig.

5 Regeln für das Benutzen von Filtergeräten

Bei der Benutzung von Filtergeräten sind folgende Details zu beachten:

  • Bei allen Geräten ist darauf zu achten, dass sie beim Benutzen dicht schließen.
  • Die Schadstoffzusammensetzung und -konzentration muss bekannt sein. Die für das Benutzen von Filtern zulässigen Schadstoffgrenzwerte dürfen nicht überschritten werden.
  • Der Sauerstoffgehalt in der Luft muss mindestens 17 % betragen.
  • Filtergeräte müssen immer mit einem auf die Schadstoffe abgestimmten Filter ausgerüstet sein. Kann kein passender Filter ermittelt werden, muss geprüft werden, ob der Einsatz eines umluftunabhängigen Atemschutzgerätes möglich ist.
  • Filter werden nach ihren Einsatzmöglichkeiten zur Filterung von Partikeln, Dämpfen und Gasen unterschieden. Die Filter werden immer mit einem Buchstaben für den zu filternden Stoff (Tabelle 1) und einer Zahl von 1 bis 3 für die Menge, welche gefiltert werden kann, gekennzeichnet. Je größer die Zahl, desto höher ist das Abscheidevermögen eines Filters (Tabelle 2).
  • Filter dürfen nach Ablauf der Haltbarkeit nicht mehr eingesetzt werden. Die zur Filterung eingesetzten Materialien können im Laufe der Zeit ihre Wirkung verlieren.
  • Die Gebrauchsdauer von Filtern ist begrenzt und abhängig vom jeweiligen Schadstoff, der Belastung des Beschäftigten und den Vorgaben durch das herstellenden Unternehmen oder die Berufsgenossenschaftlichen Vorschriften. Ein Filter muss ausgewechselt werden, wenn Geruchs-, Geschmacks- oder Reizerscheinungen wahrgenommen werden, sich der Atemwiderstand erhöht oder die vom herstellenden Unternehmen vorgegebenen Trage- und Standzeiten erreicht werden.

6 Anwendungsbeispiele (Tabelle 1) und Filterleistung (Tabelle 2)

Tabelle 1

Hauptanwendungsbereich, Anwendungsbeispiel

Kennfarbe

Filtertyp

Partikel, Stäube, Tröpfchen

weiß

P

organische Gase und Dämpfe mit einem Siedepunkt > 65 °C
(z. B. lösemittelhaltige Lacke und Klebstoffe, Benzin, Reiniger)

braun

A

niedrig siedende organische Gase und Dämpfe mit einem Siedepunkt < 65 °C (organische Lösemittel, in Niedrigsiedergruppe 1 und 2 gem. DGUV Regel 112-190 (bisher: BGR/GUV-R 190)), z. B. Äther, Methylendioxid

braun

AX

anorganische Gase und Dämpfe (Chlorgas, Schwefelwasserstoff, Zyanwasserstoff, Säuren und Laugen)

grau

B

Schwefeldioxid, Hydrogenchlorid, saure Gase

gelb

E

Ammoniak und organische Ammoniakderivate

grün

K

Kohlenstoffmonoxid

schwarz

CO

Quecksilberdampf

rot

weiß

Hg-P3

Nitrose Gase, z. B. NO, NO2, NOX

blau

weiß

NO-P3

radioaktives Jod, einschließlich radioaktives Jodmethan

orange

Reaktor


Tabelle 2

Filterleistung

Filterart

Filter-
klasse

Schutz gegen

Gasfilter

 

Gase und Dämpfe

 

Kapazität

1

klein

2

mittel

3

groß

Partikelfilter

 

Partikel

 

Abscheideleistung

1

klein

2

mittel

3

groß

Kombinationsfilter

 

z. B. Gase, Dämpfe und Partikel

1-P2

entsprechende Kombination aus Gas- und Partikelfilter

2-P2

2-P3

3-P3




















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