Praxishilfen

Desinfektionsmittel und desinfizierende Reiniger

1 Risiken bei der Arbeit mit Desinfektionsmittel und desinfizierenden Reinigern
2 Schutzmaßnahmen
3 Notfallmaßnahmen bei Auslaufen und Verschütten
4 Verhalten bei Unfällen
5 Weitere Maßnahmen


1 Risiken bei der Arbeit mit Desinfektionsmittel und desinfizierenden Reinigern

DesinfektionsmittelIm Gesundheitsdienst werden in vielen Bereichen Desinfektionsmittel und desinfizierende Reiniger eingesetzt. Bei der Alten- und Krankenpflege gibt es drei wesentliche Bereiche:

  • - Die Flächendesinfektion
  • - Die Instrumentendesinfektion
  • - Die Hände- und Hautdesinfektion

In großen Kliniken können zusätzliche Spezialbereiche wie die zentrale Bettendesinfektion, die zentralen Desinfektionsabteilungen für Abfälle, die zentrale Sterilisation, sowie spezielle thermische oder chemische Desinfektionsverfahren in Anlagen oder für komplette Räume vorkommen.

Viele der Desinfektionsmittel enthalten Gefahrstoffe, die bei Hautkontakt oder durch Einatmen der Dämpfe zu Gesundheitsgefährdungen der Beschäftigten führen können. Außerdem enthalten viele Desinfektionsmittel brennbare, leicht flüchtige Stoffe, die eine Brand- und Explosionsgefährdung bei nicht sachgemäßem Umgang bewirken.



Bei der Flächen- und Instrumentendesinfektion kommen häufig Wirkstoffe zum Einsatz die zu

  • allergisch toxischen Hauterkrankungen
  • allergisch toxischen Atemwegserkrankungen
  • Verätzungen und Reizungen
führen können. Je nach Inhaltsstoffe können auch Brand- und Explosionsgefahren bestehen.

Bei der Hände- und Hautdesinfektion kommen häufig alkoholische Wirkstoffe zum Einsatz, die zu:

  • degenerativen und allergischen Hauterkrankungen,
  • sowie zu einer Reizung der Schleimhäute
  • Brand- und Explosionsgefahr
führen können.


2 Schutzmaßnahmen

Bei Einsatz von Desinfektionsmittel ist darauf zu achten, dass unter Beachtung der notwendigen Wirkung das Mittel (Ersatzstoffpflicht) und Verfahren mit der geringsten Gefährdung für die Beschäftigten ausgewählt wird. Wo immer möglich sind maschinelle Verfahren vorzuziehen. Ist dies nicht möglich muss die Wisch- und Scheuerdesinfektion der Sprühdesinfektion vorgezogen werden. Unnötiger Haut- und Schleimhautkontakt sowie das Einatmen von Dämpfen ist zu vermeiden. Den Beschäftigten ist geeignete Schutzausrüstung zur Verfügung zu stellen sowie geeignete Arbeitsmittel (z. B. Fahreimer, Feuchtwischmops und Auswringer im Bereich der Flächendesinfektion) Außerdem sind regelmäßige Unterweisungen an Hand der Betriebsanweisungen, des Hygieneplans und des Hautschutzplans durchzuführen. Beim Umgang mit sensibilisierenden Stoffen (Glyoxal, Formaldehyd, Glutaraldehyd) sind zusätzlich zur G 42 „Tätigkeiten mit Infektionsgefährdung“, die arbeitsmedizinische Vorsorge nach den Grundsätzen G24 „Hauterkrankungen“ und G23 „Obstruktive Atemwegserkrankungen“ durchzuführen. Die G24 „Hauterkrankungen“ ist auch dann erforderlich, wenn die Beschäftigten regelmäßig über längere Zeit in flüssigkeitsdichten Handschuhen arbeitet oder regelmäßig Hautkontakt zu Desinfektionsmitteln haben.

Hygieneplan:
Im Hygieneplan ist konkret festgelegt wann welche Maßnahmen wie und vom wem durchzuführen sind. Geregelt werden Aussagen zur/zu:

  • Allgemeinen Personalhygiene
  • Allgemeinen Desinfektionsmaßnahmen
  • Speziellen Hygienemaßnahmen in verschiedenen Funktionsbereichen
  • Hygienemaßnahmen bei Diagnostik, Pflege und Therapie
  • Ver- und Entsorgung
  • Mikrobiologischen Diagnostik

Hautschutzplan:
Der Hautschutzplan umfasst/macht genaue Angaben zu Schutzmaßnahmen der Haut. D.h. er listet konkret auf welche Produkte zum Schutz der Haut wann und wie anzuwenden sind.

Hautschutzplan

Betriebsanweisung:
Die Betriebsanweisung beinhaltet Aussagen zu den konkreten Gefährdungen, den erforderlichen Schutzmaßnahmen, den Notfallmaßnahmen und der Entsorgung der Desinfektionsmittel.

Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Desinfektionsmittelkonzentraten:

  • Zur Verdünnung mit Wasser darf dieses maximal Raumtemperatur haben
  • Bei der Herstellung von Gebrauchslösungen müssen automatische Dosiergeräte oder Dosierhilfen verwendet werden
  • Verschiedene Produkte dürfen nicht vermischt werden
  • Schutzbrille mit Seitenschutz oder Korbbrille, sowie geeignete Chemikalienschutzhandschuhe (Butyl oder Nitril) sind zu verwenden; medizinische Einwegschutzhandschuhe reichen nicht aus

Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Gebrauchslösungen aldehydhaltiger Desinfektionsmitteln:

  • Kontakt mit der Haut- und Schleimhaut vermeiden
  • Einatmen der Dämpfe vermeiden. Bei Überschreiten des Arbeitsplatzgrenzwerte muss geeigneter Atemschutz (Filterklasse B-P2) zur Verfügung stehen und getragen werden
  • Behälter nach Gebrauch dicht verschließen
  • Bei der Flächendesinfektion ist darauf zu achten, dass keine Pfützen bleiben
  • Für eine ausreichende Raumbelüftung bei und direkt nach der Desinfektion sorgen
  • Flüssigkeitsdichte Schürzen und Fußbekleidung, Augen- und Gesichtsschutz sowie Schutzhandschuhe aus Butyl oder Nitril benutzen

Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Gebrauchslösungen alkoholhaltiger Desinfektionsmitteln:

  • Der Einsatz von alkoholischen Desinfektionsmitteln in der Flächendesinfektion ist nur bei strenger Mengenbegrenzung erlaubt, wenn es hierzu keine Alternativen gibt. Wischverfahren sind bevorzugt anzuwenden. Die Bildung von Aerosolen ist zu vermeiden
  • Einatmen der Dämpfe vermeiden. Bei Überschreiten des Arbeitsplatzgrenzwertes ist geeigneter Atemschutz (Filterklasse A-P2) zur Verfügung zu stellen und zu tragen
  • Behälter nach Gebrauch dicht verschließen
  • Bei der Flächendesinfektion ist darauf zu achten, dass keine Pfützen bleiben
  • Für eine ausreichende Raumbelüftung bei und direkt nach der Desinfektion sorgen
  • Heiße Flächen vor der Desinfektion abkühlen lassen
  • Zündquellen und offene Flammen sind verboten - Rauchverbot
  • Flüssigkeitsdichte Schürzen und Schuhe, Augen- und Gesichtsschutz sowie Schutzhandschuhe aus Butyl oder Nitril benutzen

Hinweise zu Lagerung:

  • Unzugänglich für Unbefugte
  • Im Originalgebinde bzw. in geeigneten, gekennzeichneten Behältern
  • Kühl und trocken lagern
  • Vor Sonneneinwirkung und Hitze geschützt lagern
  • Behälter stets dicht geschlossen halten
  • Nur in gut belüfteten Bereichen lagern


3 Notfallmaßnahmen bei Auslaufen und Verschütten

  • Verdünnen mit Wasser
  • Aufnehmen der Verschütteten Flüssigkeit
  • Nachreinigen der Fläche
  • Umgehend für gute Belüftung sorgen
  • Nur mit geeigneter PSA arbeiten
  • Zündquellen fernhalten


4 Verhalten bei Unfällen

  • Augenkontakt:
    Kontaktlinsen entfernen, Augenlider geöffnet halten. Augen mindestens 10 Minuten bei geöffnetem Lidspalt unter fließendem Wasser spülen. Anschließend Augenarzt oder Augenärztin aufsuchen.
  • Hautkontakt:
    Beschmutzte oder getränkte Kleidung sofort ausziehen. Benetzte Haut gründlich mit Wasser abwaschen. Bei anhaltenden Problemen Arzt oder Ärztin aufsuchen.
  • Einatmen:
    Frischluft. Bei anhaltenden Problemen Arzt oder Ärztin aufsuchen. Sicherheitsdatenblatt vorlegen.
  • Verschlucken:
    Viel Wasser trinken lassen. Rettungsdienst alarmieren und Sicherheitsdatenblatt für den Rettungsdienst bereithalten und vorzeigen.


5 Weitere Maßnahmen

Betriebsanweisungen



























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